Cornelia Schirmer – BALBINA

Eine musikalische Hommage an eine tollkühne Frau

Wer mit 101 Jahren „vom Stangerl fällt“ und ein ganzes Jahrhundert erlebt und durchlebt hat, hatte ein bewegtes Leben. Aber das Leben des Augsburger Arbeitermädchens Maria Balbina Roßkopf, die als junge Wehrmachtssekretärin im besetzten Paris für die Résistance spioniert und später zur Gräfin avanciert, bewegt: von der Jugend bis ins hohe Alter. Ihre Geistesgegenwart, ihre Zivilcourage, ihre Frechheit und vor allem ihr umwerfender Charme faszinieren alle, die ihr in ihrem langen Leben begegnet sind.

Cornelia Schirmer beschwört zusammen mit Jonathan Wolters in einer musikalischen Hommage an ihre Schwiegermutter die flirrende Aura einer starken und gebrochenen Persönlichkeit herauf, die das gesamte letzte Jahrhundert erlebt und durchlebt hat. Beide singen und spielen dazu Songs von Berthold Brecht, Cole Porter, Mischa Spoliansky und anderen.

Die musikalisch-theatrale Reise beginnt mit Balbinas bitterarmer Kindheit in Augsburg, ihrer Geburtsstadt und der eines weiteren glühenden Antifaschisten: Berthold Brecht, dessen Lieder an diesem Abend immer wieder zu eindringlichen Kommentaren ihres Lebens werden. Später begegnet sie als junge Wehrmachts-sekretärin im besetzten Paris dem Mann ihres Lebens, einem jungen Gefreiten aus bayerischem Adel, an dessen Seite sie sich der Widerstandsbewegung gegen die Nazis anschließt. Balbina verhilft durch das Stehlen von Blankopässen unzähligen Juden zur Flucht und riskiert dabei ihr eigenes Leben. Dass sie noch in den letzten Kriegstagen nur knapp einem sicheren Tod entgeht, beruht auf ihrer schicksalhaften Begegnung mit dem sogenannten „Leibpiloten“ Adolf Hitlers, General Hans Bauer. Durch einen erfolgreichen, aber vorgetäuschten Flirt fliegt sie als einzige zivile Passagierin in der Fluchtmaschine Hitlers, bevor diese durch Balbinas Verrat am geheimen Stand-ort von alliierten Bomben unbrauchbar zerstört wird.

Nach dem Krieg begegnet Balbina ihrem Geliebten wieder, der sie heiratet und zur Gräfin macht. Trotz ihres dadurch rasanten gesellschaftlichen Aufstiegs in der feinen Gesellschaft der deutschen Nachkriegszeit vergisst sie nie ihre Herkunft und gewährt bis ins hohe Alter ihre Hilfsbereitschaft jedem, der sie braucht. Und es war, als ob sie nicht anders konnte: Tollkühn und immer mit vollem Charme voraus standen ihr für ihre Ziele nur sehr wenige Dinge wirklich im Weg. Fragen Sie sich doch einmal, wer es als westdeutsche und adelige Witwe schaffen würde, ohne Pass hinter den eisernen Vorhang in das sozialistische Bulgarien und zurück zu kommen? Balbina gelang es! Erst auf der letzten Geraden ihres Lebens wendet sich das Schicksal…

Über die Künstler:

Cornelia Schirmer ist seit vielen Jahren auf den Bühnen Deutschlands unterwegs und spielte in bedeutenden Aufführungen u.a. von Robert Wilson, Lou Reed und Katharina Thalbach. In Zürich war sie aktuell in „Love, Linda“ mit dem Zurich Jazz Orchestra als Linda, der Frau von Cole Porter, mit den großen Hits der Swing – Ära zu sehen. Als Teil des Duos „Cocodello“ war sie zusammen mit dem Schweizer Schauspieler Delio Malär in den letzten Jahren mit eigenen Musicalproduktionen erfolgreich on Tour. Für die Produktion „Auf alten Pfannen lernt man kochen“ wurde das Duo 2020 mit dem Kabarettpreis „Mindener Stichling“ ausgezeichnet.

Mit ihrem neuen Soloprogramm „Balbina – Eine musikalische Hommage an eine tollkühne Frau“ greift Cornelia Schirmer wieder ein persönliches und gleichzeitig gesellschaftliches Thema auf und knüpft damit z.B. an ihren Kult – Liederabend „Fritz, der Traktorist – Lieder aus der versunkenen DDR“ an. Mit dieser Produktion begann ihre – damals noch fest im Ensemble – langjährige, enge Zusammen-arbeit mit dem Thalia – Theater, die sich bis heute fortsetzt.

Jonathan Wolters ist als Multiinstrumentalist, Sänger und Schauspieler von Hamburgs Bühnen seit einigen Jahren nicht mehr wegzudenken. Er spielt Gipsy-Swing mit seiner Band „Danubes Banks“ und wirkte in zahlreichen Musikproduktionen u. a. des Altonaer Theaters und der Hamburger Kammerspiele mit. Zuletzt übernahm er die musikalische Leitung in der Produktion „Once“ unter der Regie von Gil Mehmert.